Zora’s weisser Mann

Zora will ein Drehbuch schreiben.

Wie heisst der schlimmste Nazi?

Meine verkatert zerknitterte Antwort.

Der unanständigste war mal Christoph Mörgeli. Jetzt heisst er Roger Köppel.

Gut, der Protagonist heisst Möppel. Ein Morph der beiden Namen. Klingt wie ein Puztutensil. Passt zu dem Alten. Wie heisst der, Christoph Bohner?

Blocher, ja. Das sind alles ganz saubere. Was soll den passieren?

Ha! Die Idee ist genial, wir lassen ihn seine eigene Medizin schlucken, seine Putzmittel. Wir waschen ihm den Mund mit Seife.

Zora ereifert sich. Sie erzählt schnell und viel. Ich versuche, die Bilder zu behalten.

Also Zora, ich fasse zusammen.

Dieser schicke Nationalrat Möppel wird in einer Limousine der Mercedes-Benz S-Klasse chauffiert. Wir wissen noch nicht, dass er ein Nazi ist. Er telefoniert, ist ganz lieb zu seinem Schatzi und macht Termine. Weitwinkel von unten. Er sitz auf der Rückbank rechts. Wir erfahren, dass er ein paar Tage weg sein wird.
Er blickt nach vorne. Wir erfahren, dass er ganz wichtig ist, sehr professionell, ein guter Politiker, erfolgreich, mächtig, also manipulativ, vernetzt, schlau, fies. Aber er ist auch sexy. Kontrolliert, Ausstrahlung, schön, aber mit Rätsel. Vielleicht ein Mathis Künzler mit zu stark getönten Haaren.
Er kommt am Flughafen an, wo er an einem Imbiss etwas Schweizerisches aber Schnelles isst.
Im Hintergrund sehen wir einen Schwarzen, der von zwei strengen Kurzhaarblonden ans Gate begleitet wird. Eine Ausschaffung. Möppel bemerkt sie nicht. Er spielt auf seinem Smartphone ein Sudoku im Expert-Modus.
Die Business-Class kann boarden. Möppel ist routiniert. Wir folgen ihm durch die Röhren. Die Flugbegleiterin lächelt. Er legt sich hin. Er macht sich die Augenbinde über. Als der Pilot zum Flug nach Lagos begrüsst, atmet er ganz tief. Beim Start wacht er nochmal auf, dann döst er wieder ein.
Wir gehen durch Wolken.
Schnitt.
Wir sehen Möppel in einer Fernsehsendung. Wir sehen, dass er schlagfertig ist, dass er ein Nazi ist. Wir erkennen seine menschenfeindliche Polemik als Kalkül, die Angstmache als Machtinstrument. Er ist kein angsterfüllter Hinterwäldler, kein dummer Bauer, vielleicht nicht einmal ein Rassist. Möppel ist Gollum, der Ring ist Macht.
Wir gehen wieder durch Wolken.
Schnitt.
Totale. Wir sehen einen blauen Himmel. Ein Kondensstreifen in der Weite. Schwenk nach oben. Der Horizont erschient. Wir sind kopfüber. Die obere Hälfte des Bildes ist Wellen. Wir sind Mitten im weiten Meer. Ein Junge liegt auf dem Rücken, den Kopf über dem Rand des Schlauchboots.
Dem Jungen geht’s verschissen. Wir sehen weitere junge Männer auf dem Boot. Sie vegetieren. Wir sollten Mitleid haben.
Wir hören einen Knall. Am Himmel sehen wir eine Explosion.
Du, Zora sagst: Der Rest der Geschichte sollte jetzt sehr einfach sein. Die Blackys ziehen Möppel aus dem Wasser. Dieser hat als einziger den Absturz überlebt. Jetzt würde er ihre Leiden miterleben. Einmal wird er laut, da wird ein Schlepper ihn verpügeln. Vielleicht hat Möppel jetzt einen Gedächtnisverlust. Er muss sich an die Blackys halten. Er versucht als Illegaler in die Schweiz zu kommen. Er ätzt sich die Fingerkuppen. Er schläft unter Lastwagenplachen. Ein Polizist weist ihn ab. Aus Not verkauft er Drogen. Später seinen Körper. Er wird an die Grenze zurückgeschafft, wo entdeckt wird, wer er ist. Er wird eine Sensation. Blick-Schlagzeilen. Er wird von Roger Schawinski interviewt etc. pp.
Oder aber anders. Rewind: Das Flugzeug stürzt ab. Möppel überlebt. Die Blackys finden ihn. Sie ziehen ihn ins Boot. Sie wollen ihm die Rettungsweste ausziehen. Er rastet aus. Sie stechen ihm mit einem grossen Messer in den Bauch. Er stirbt. Die Blackys essen ihn.

Zora, was soll ich sagen? Ich glaub am Flughafen gibt es keinen Schweizerischen Imbiss.

Zora, meinst du, dafür kriegst du was von der Brandenburgischen Filmförderung?

Angst

Zora schreibt wieder.

Hast du Angst vor der Kunst?

Meine zerknittert verkaterte Antwort.

Nein, vielleicht vor Einsamkeit und Tod.

Schau. Wenn du hier dein rechtes Auge schliesst, dein Linkes zusammenkneifst, den Oberkörper leicht zur Linken neigst, die Schultern aus der Achse kippen, das linke Bein durchgestreckt, den linken Arm runterhängen, die Finger der rechte Hand gespreizt auf der Brust, den rechten Fuss tastend nach vorne tänzeln lässt, dabei die rechte Hand, mit der Innenseite zum Gesicht, einem Gruss gleich, aber auch verteidigend, anhebst. Dann kannst du sie sehen.

Hast du jetzt Angst?

Im Desperados

milchig-grauer Nebel
ich wache auf im Auto, mein Papa ist nicht da, ich bin alleine.
Mit Steuerräder aus Bambus spielen sie Autofahren und ich halte sie mit meiner selbstgebauten Barriere an und lasse sie wieder durch.
unser Flugzeug landet in der Wüste.
ich halte eine schokoladenbraune Folienverpackung auf der WorldCupUSA94 und SNICKERS steht.
ich halte einen Fünfliber in der Hand, den mir mein Äti geschenkt hat.
Ivo zeichnet ein Grafitti mit einem Character, ein Punk mit Iro im Profil.
mein Bruder sagt Fuck in einem spanischen Restaurant.
mit meiner Fussballer-Ausrüstung, an der Tramhaltestelle wartend, studiere ich das Plakat von Titanic.
Ramona ist in mich verliebt und schenkt mir 50 Pesos.
ich laufe durch eine verlassene Silbermine und finde raus, dass Gott eine Lüge ist.
Jakob nennt mich „Scheiss-Ausländer“, ich prügle mich mit ihm im Flur und gewinne.
Mättu und ich rauchen Marlboro Rot im Wald.
ich kann den Ollie.
wir sind zum selben Zeitpunkt als der Regen einsetzt zum ersten Mal betrunken – wir singen und tanzen im Brunnen.
der um einen Kopf grössere Robert ergibt sich röchelnd in meinem Schwitzkasten und lässt uns von nun an ihn Ruhe.
die Lehrer geben uns für die Friedensdemo frei.
auf dem Computer, den mir mein Vater weitergibt, finde ich Magix Music Maker.
in der Pause machen Ruedi und ich im verlassenen und zugewachsenen Wintergarten ein Feuer und werfen die leeren Farbdosen rein – während dem Biounterricht hören wir mehrere Explosionen.
Lucia trägt ein hellblaues Kleid aus Rippstoff und in Montpellier scheint die Sonne.
ich sage dem Rektor, dass das jetzt keinen Sinn mehr macht.
die Gang ist betrunken und wir schmeissen Sachen vom Balkon als sie mich anruft und sagt, dass sie schwanger ist.
Michelle ruft mich an und sagt, dass ich die Stelle habe.
ich steh in der Küche auf einem Stuhl und schreibe die Namen meiner Brüder an die Decke.
Fuat ruft mich an und sagt, dass Katrin gestorben ist.
Lude, ich und seine Gang nehmen in Mannheim eine Baustelle auseinander.
wir holen beim Italiener was zu Essen und bestimmen, dass ein Verlagsvertrag ein Scheiss ist.
Manuel wollte mir ein Stück mit dem Löffel anschleudern, ich werf ihm reflexartig die ganze Hochzeitstorte ans Jackett.
Zora und ich sitzen im Desperados und schauen 16-Jährigen dabei zu, wie sie ihre Bestellung aus Sex On The Beach und Mojito in Bier ändern müssen.

Künstler töten

Spinnst du? Heiraten und Ehe? Weisst du was das heisst, Ehe, althochdeutsch für Ewigkeit verdammt. Ewigkeit – Das ist was für Christen und andere Halbhirne.
Ich lache. Und was hältst du davon, dass Lesben und Schwule auch das Eherecht wollen?
Sollen sie haben, gibt sicher paar bekloppte Homos die das machen wollen. Wenn sollte das stören?
Und wenn ich mal krank werde. Dann darfst du mich nicht im Spital besuchen kommen.
Find ich ok, ich muss deine beschissene Seuchenfresse nicht sehen oder mit dabei sein wenn du verreckst.
Und erben?
Fick dich!
Easy.

Zora hat ein neues Lieblingswort. Ständig flüstert, murmelt oder baut sie Nebensätze, dann schreit sie: Reichkristallnacht!!!
Oh mann.
Hör hin! sagt sie: Reich und Kristall und Nacht sind sooo schöne Wörter. Reich ist hell und gelb und wohl und gut genährt und Kristall ist emo, psychedelisch, kalt und hart und Nacht ist tief und schwer und lieb und deckt dich zu. Reichkristallnacht, es hat Rhytmus, Blut und Melodie.
Und es hat nichts mit diesen politischen Hooligans zu tun. Ich hab nämlich das S weggelassen.
Gut, Zora, gut hast du das gemacht. Aber du weisst schon, wieso die Leute sich fragen. Als Deutsche solltest du etwas sensibler sein.
Wenn du mich als Deutsche siehst, bist du Rassist.
Oh mann.
Scheiss Esvaupeh-Wixer!

Zora bereitet sich auf das Interview mit Angela Merkel vor. Sie recherchiert an meinem Kompi und ich kann nicht ran. Als ich das Gerät endlich zurück bekomme, muss ich erst 41 Tabs in Firefox schliessen und 5 Fenster Internet Explorer abschiessen, 3 Fenster Chrome mit je so viel Tabs, dass sie nur noch Pixel-Nippel waren und Editor und Open Office und WordPad und Photoshop und After Effects und dieses Flipper-Game sofort beenden. Im Word finde ich ihre Fragen und speichere sie auf dem Desktop als Interview_Angela_Merkel_Fragen.doc
Die Fragen:
haben sie ein Chemtrail-Programm? ja oder nein?
war 9/11 ein Inside-Job? ja oder nein?
sind sie eine Eidechse? ja oder nein?

Ich bin pissed.

Bruce Willis spielte einen Polizisten, der barfuss durch Glasscherben rennt und den Druckschlauch eines Wandhydranten als Bungee-Seil umfunktioniert, um vom Hochhaus zu springen und seine Ex-Frau mit Waffengewalt vor Russen oder Deutschen zu retten. Aber Bruce Willis hat beschissene Country-Musik gemacht. Bruce Willis hat geweint. Und Bruce Willis hat noch nie jemanden getötet. Ich würde dieser Nervensäge nicht trauen. Ich würde, wenn wir von deutschen Russen bedroht würden, nicht Bruce Willis fragen was zu tun ist. Bruce Willis hat keine Lösung für die Ukraine und die Griechen. Bruce Willis hat nur diese zwei niedlichen Falten um den Mund, die ihn zu Homer Simpson machen. Bruce Willis ist eine Lachfigur. Und mein Idol.

Bruce Willis ist tot, schreit Zora, hör auf! Zora tanzt und stampft und wirbelt um den Kühlschrank. Sie wirft die Hände in die Luft, ihre Haare folgen, sie greift sich den armen Bruce und bodyslammed in zu Boden. Wir lachen. Bruce weint. Bruce rennt nach Hause und weint. Bruce rennt zu seiner Mutter und Trännen kullern aus seinen kleinen Augen. Und seine Nase tropft und er sabbert und blubbert weil er heult und uns verpfeifft. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Bruce tut mir leid. Zora schämt sich nicht und tut, als wäre nichts gewesen. Ich liebe sie jetzt nicht.

Zora ist pissed.

Die Bar ist nicht geöffnet, es ist niemand da, ich bin irgendwo und Zora ist pissed. Du konntest mich nicht erreichen? Ich hab doch gesagt, dass mein Handy demnächst den Geist aufgibt.

Apple Stores sind die Hölle auf Erden. Sisyphos schreisst einen Stein. Ich schreiss einen Stein und versuche mein Handy reparieren zu lassen. Die Mitarbeiter sind Genies, die Kunden sind Autisten ohne Inselbegabung, Behindos. Ich werde zum nächsten Genie weitergeleitet. Ich bin schwerstbehindert. Das Genie sucht fünf Minuten lang auf seinem Berührbildschirm nach meinem Namen. Haben sie sich auch wirklich beim Reparatur-Genie gemeldet? Haben sie eine Reservation? Ja, verdammt! Soll ich deinem Kolleg winken, oder willst du ihm ne Mail schreiben?

Ich scrolle die Lizenzvereinbarung und den Kaufvertrag ab und tu so als würd ich sie lesen, verstehen und bestätigen können. – Hitzeschlag – Weil mich der Produktionsleiter nicht erreichen konnte, muss ich mir von ihm lustige Sprüche anhören. Zora ist pissed und findet, ich sollte professionell sein, mich gegen solche Vorwürfe wehren, mehr Stolz haben, mir nicht alles gefallen lassen, weil das spricht sich rum, der Ruf, nimm deine Arbeit ernst, dein Leben, dein Geld et cetera perge, perge. – Mir läuft die Sosse von der Stirn.

Zora will, dass ich immer in der Mühsam bin. Ich will nicht. Ich dachte wir machen das zusammen! Wer giesst den jetzt die Blumen? Du, Zora, du kannst mal was tun! Statt mich immer nur anmotzen!

Mann, diese Hitze.

Für dich wär alles gratis mein Schatz

Ich hab Schluckauf. Zora sagt, schreib was. Mit Schluckauf? Das geht doch nihckt. Pause. kök haha hick, höhö höck, bruce, hik, hähähä göhick, aua! köhöck ghm-hög, hög… gg, ahhh… … … grmgh, höck, hüg, hkkk, ghhk, göck. das ist jetz nicht mehr lustig. hugh. gmpf. k, g, schüttel, willis-grk… kk, gg, öhhck, gorps-rülps, schlukk, hurz, örz, g-g, örg, ork, rrk, , haha. Vielleicht geht’s weg, wenn ich dich schlage, schlägt Zora vor. Ins Auge, lacht sie hinterher. Haha-ögk. Gutubbdftxkjghmjnk. Lass gut sein du schwein trink wein geh heim . und putz dir verdammt putz sie dir deine Zähne. Zora ist hässig. Ich habs gluggsi und higgsi. Jeder macht was er kann.

I’m a Douchebag!

Fünf, sechs Amaretto Sour, zwei Glas Riesling, einen halben Liter Naturperle und kein Schädel. Danke.
Wir haben nichts geträumt aber fragen uns, was Bruce Willis gerade denkt.
Das Mädchen mit den Federhaaren war da. Sie hüpft durch Zürich, den schnucken Häusern lang und schiesst diese mit einer Panzerfaust ab. Wir lieben sie.
Ich sage es tut mir leid, ich will mit Zora zusammen sein. Und Zora ist eifersüchtig! Ich kann nicht auch noch mit dir zusammen sein. Und eigentlich ist das alles unwichtig. Wir sollten unsere Differenzen begraben und uns darauf besinnen, wieder gemeinsam die Juden zu töten. Ha ha!
Thema im Talk: Entscheide dich – Beine amputieren oder Genitalverstümmelung? Resultat der spannenden Gesprächsrunde: es ist eine Frage des Einkommens. Wenn man sich einen Rollstuhl und Sex leisten kann, lässt man sich nicht die Geschlechtsteile weglasern.
Der Kurator beeindruckt mit einer sehr gut einstudierten Douchbag-Pose, später befindet er die Bar als zu wenig mühsam – wir sind erfreut. Der Journalist lässt sich mit Schnaps bestechen, schreibt aber nichts – wir sind erfreut. Die Kuratorin ist ebenfalls erfreut und hängt an die Kurznachricht eine Liebeserklärung – wir sind verwirrt.
Jemand hat Bier geklaut! Zora prügelt sich mit einer Sprayer-Crew! Das Bier findet sie später in meiner Gerätekiste.
Es ist sehr heiss. Die ältere Dame von nebenan mag es lieber sehr heiss als sehr kalt. Ich mag lieber sehr kalt und zuhause bleiben aber sage nichts. Unser Breitengrad verlangt Heizungen und Ventilatoren. Dieses Klima ist eine reine Energieverschwendung. Kann das bitte jemand ändern! Ha ha!
Die Mail-Adresse auf den Flyern, und am Schaufenster ist falsch. Zora hat einen Wutausbruch und schreit mich an. Ich versuche durch schweigen zu beruhigen, es geht nicht. Ich sage: Wir korrigieren nichts. Es passt fast ins Konzept, dass die Mail nicht geht. Zora schreit wie Bruno Ganz in seiner Rolle des Lebens als Adolph Hitler in diesem Untergang von einem Film.
Die richtige E-Mail Adresse ist:
i s t d i e m u h s a m b a r o f f e n f r a g e z e i c h e n @ p r o t o n m a i l . c o m
OHNE UE, MUH MUH MUH! Du dumme KUH!
Sie sagt, Berns Strassen sind immer leer in der Nacht – Niemand läuft herum. Ich weis auch nicht wieso, es würde sich lohnen.
Sieg Heil Schweinebacke!